Alles hat seine Zeit


Eigentlich wollte ich meinen zweiten Beitrag zum Thema Akzeptanz bereits vor einigen Tagen schreiben. Nun setze ich mich seit einigen Wochen  intensiv mit dem Thema Akzeptanz auseinander und mittlerweile habe ich mehrere Seiten voller Gedanken, die ich mir zu diesem Thema gemacht habe. Soviel Material, dass ich zwischenzeitlich ein unglaubliches Durcheinander im Kopf hatte. Ich wusste nicht mehr wo anfangen und wo aufhören. Und genau an diesem Punkt kam die Akzeptanz ins Spiel. Ich stellte fest, dass ich noch nicht bereit war, den nächsten Beitrag zu verfassen. Dass ich zwar viel schreiben könnte, aber es sich einfach nicht richtig anfühlen würde; ich nicht voll und ganz dahinterstehen könnte. So habe ich mir einige Tage ein schlechtes Gewissen gemacht, mich unter Druck gesetzt und einfach nicht akzeptiert, dass ich den Beitrag nicht wie vorgesehen anfangs Woche posten kann. Neben all den Gedanken die ich mir zum Thema Akzeptanz machte, durfte ich diese Woche auch einige Stunden Yoga unterrichten. Und dank der Begegnungen mit meinen Schülern (die meine Lehrer sind), fiel es mir heute wie Schuppen von den Augen: Widerständen zu begegnen und sie zu benennen, braucht seine Zeit, sie zu akzeptieren, hat seine Zeit, den Ursprung der Widerstände zu finden und zu heilen, hat seine Zeit und nach einem solchen Prozess wieder ins Gleichgewicht zu finden, hat auch seine Zeit.

Ja sicher, es gibt unzählige Übungen, Ratschläge, Konzepte, die helfen können, zu akzeptieren, was ist. Doch ist es oft unangenehm, manchmal sogar sehr schmerzhaft, das was ist, anzunehmen. Dazu braucht es Mut, Vertrauen, Stärke, Selbstliebe… vielleicht auch jemanden, der einen begleitet. Und neben alldem braucht es eben auch Zeit, manchmal länger als uns lieb ist und es kann auch ganz schön schwierig sein, jemand anderem zuzusehen, der immer wieder mit den gleichen Widerständen kämpft und sie nicht annehmen will. Doch auch wenn ich weiss, dass ich nichts weiss, eines durfte ich in meinem Leben immer wieder erfahren: Alles hat seine Zeit. Und auch wenn wir manchmal das Gefühl haben, wir sind so, wie wir sind; geprägt von unserer Vergangenheit, unabänderlich. So schaue mal hinaus in die Welt, gibt es da draussen irgendetwas, das immer gleich ist; sich nie verändert? Ist nicht die Chance, dass wir uns immerzu verändern grösser, als dass alles in Stein gemeisselt ist? Oder hast du dich schon mal gefragt, ob du immer noch der gleiche Mensch bist, wie der, der heute Morgen aufgestanden ist? Wie wäre es, wenn du anstatt dir zu sagen „Ich bin so wie ich bin!“ sagen würdest „Jetzt gerade bin ich so, aber ich weiss, dass ich bereits im nächsten Moment anders sein kann.“ Wäre es mit dem Wissen, dass sich alles verändern und ent-wickeln kann, einfacher zu akzeptieren, was ist? Und was wäre, wenn du aus einer radikalen Akzeptanz heraus handeln könntest. Könntest du so aus einer Klarheit heraus handeln, anstatt aus einer Bedrohung, auf die du entweder mit Kampf, Flucht oder Erstarrung reagierst?

Heute habe ich die Erfahrung gemacht, dass in dem Moment, als ich akzeptierte, dass alles seine Zeit hat, mein Geist frei wurde, um klar zu denken und ich diesen Beitrag schreiben konnte. Und wisst Ihr was? Heute werde ich auch akzeptieren, dass ich diese Worte genauso, wie ich sie geschrieben habe, an die Öffentlichkeit trage. Mit dem Risiko, dass ich es Morgen schon wieder anders sehe. Denn wahrscheinlich gibt es kein Richtig oder Falsch. Was den einen Menschen berührt, bewegt und ihm auf seinem Weg hilft, kann in einem anderen Menschen Wut, Ablehnung oder Gleichgültigkeit auslösen. Auch das akzeptiere ich und folge dem Motto: „To live a creative life, we must lose our fear of being wrong.“